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Audi Chiemsee Champions Week 2007
Audi Chiemsee Champions Week 2007
Internationale Deutsche Meisterschaften der Olympischen Segelklassen vom 30.09. bis 06.10.2007

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16.10.2007

Audi Chiemsee Champions Week 2007

Persönliches Tagebuch eines Helfers

Sonntag, 30.09.2007

Der Hafen von Seebruck Seebruck - unser Stützpunkt für die nächsten 7 Tage. Mein Job wird es sein, die Bahnmarken für die Wettfahrten der Laser zu legen und mit dem Motorboot weitere Sonderaufgaben auf dem Wasser zu übernehmen. Wir suchen morgens erstmal den ganzen Hafen nach unseren reservierten Liegeplätzen ab. 500 Liegeplätze gibt es hier, es ist einer der größten Häfen am See. Der Rest des Teams bezieht derweil das Regattabüro. Nachmittags geht es mit dem Startschiff und den Motorbooten aufs Wasser, wir üben noch einmal das exakte Anfahren der Bojenpositionen nach den GPS-Koordinaten, die unser Wettfahrtleiter Uli Finckh per Programm an Bord des Startschiffs errechnet. Wir wollen sicher sein, dass alles perfekt funktioniert.

Die 49er sind schon da, hatten gestern einen Trainingstag. Tornados sind auch schon einige zu sehen. Die fallen vor allem wegen der riesigen Anhänger der Teams auf. Endlich sehe ich Roland Gäbler mal aus nächster Nähe. Der Zeitschriften-Verkaufswagen des DK-Verlags (Yacht) ist ebenfalls schon da. Und im Laufe des Tages treffen auch die ersten Laser-Segler ein. Der Wind ist sehr mäßig, wir haben schönstes Spätsommerwetter, aber das ändert sich sicher bis Dienstag, wenn die Wettfahrten beginnnen.

Montag, 01.10.2007

Die Seetribüne Kein Wind.

Macht nichts, heute ist ja nur Anreise- und Vermessungstag, die Wettfahrten beginnen erst morgen. Die Wetterdienste sind sich nicht ganz einig, aber mehrheitlich zeichnet sich für die nächsten Tage weiterhin Hochdruckeinfluss auf Deutschland ab. Das heißt, wahrscheinlich erst ab Mittwoch oder Donnerstag Wind. Wenigstens zieht sich allmählich das Hochwasser zurück, so dass die Seetribüne aufgebaut werden kann. Sieht merkwürdig aus, wie die Traktoren durchs Wasser fahren. Und ich bin beindruckt, wie schnell die Tribüne steht.

Abends ist die Eröffnungsveranstaltung in Prien beim CYC. Viele lange Reden werden gehalten, OK, das ist halt so. Ab morgen wird's sicher lustiger.

Dienstag, 02.10.2007

Startverschiebung Kein Wind.

Das fängt ja gut an. Die Wettfahrtleiter sind sich einig und ziehen morgens gleich die Flagge zur Startverschiebung auf.

Also Sonnenbaden, Relaxen, Brotzeit im Festzelt und Warten auf den Wind. Leider kommt der den ganzen Tag nicht. Nur zwischen Prien-Stock und der Breitbrunner Bucht geht ein bisschen, das reicht den 2.4ern für ihre erste Wettfahrt. Abends unterhält uns der DJ mit Musik im Festzelt bis spät in die Nacht.

Mittwoch, 03.10.2007

Blick auf den Chiemsee-Park von Seebruck Kein Wind.

Na prima. Aber es besteht eine Chance, dass es einen Wetterwechsel gibt. Vielleicht kommt da im Laufe des Tages noch etwas. Immerhin, es ist Feiertag, und da taugt den Touristen natürlich das Kaiserwetter bestens: weiß-blauer Himmel, klarer Blick über den See auf das Bergpanorama und Sonne. Im Zelt spielt eine Jazzband, es gibt Bier, Weißwurst, eigentlich ein perfekter Tag. Nur leider nicht, wenn man segeln möchte. Nachmittags eine kleine Hoffnung: es weht ein Lüftchen vor Seebruck. Ich fahre die Wettfahrtleiter auf den Weitsee hinaus - da geht leider nichts. Aber morgen, da wird Wind kommen. Bestimmt. Auch wenn Meeno Schrader, der offizielle Wettermann, weiterhin Hochdruck und Flaute vorhersagt.

Kein Wind Die 470er haben heute eine Regatta gefahren - im Tretboot! Abends findet beim CYC in Prien ein kleines Oktoberfest statt. Das fängt urbayrisch an, unter anderem tritt eine Gruppe Schuhplattler auf. Die Segelklassen treten gegeneinander im Fingerhakeln an, Starboot-Vorschoter Thomas Auracher gewinnt souverän, lautstark angefeuert von seiner Klasse. Der Drittplatzierte und Publikumsliebling Heiko Kröger darf als Sänger auf die Bühne. Jetzt spielt die Band die Wiesn-Hits rauf und runter. Da sieht man nicht nur die Segler, sondern auch so manchen Vereinsvorstand auf den Bänken tanzen. Ein rundum gelungener Abend, der das Warten auf den Wind vergessen lässt.

Tornado in der Sonne

Donnerstag, 04.10.2007

Kein Wind.

Das kann doch nicht wahr sein! Wir haben Anfang Oktober, da geht doch immer was. Das Wetter hat sich zwar tatsächlich geändert - es ist grau und es regnet. Wieder einmal. Nur eben kein Wind. Die Wettfahrtleiter ziehen mit steinerner Miene die Flagge zur Startverschiebung hoch. Also Brotzeit im Festzelt. Zum Glück war das Fest gestern ein voller Erfolg, ich möchte nicht wissen, wie sonst die Stimmung wäre.

49er Nachmittags wird gerade die Ersatz-Regatta (Tauziehen im Tretboot) organisiert, als die Meldung von der Fraueninsel kommt: dort baut sich Wind auf! Sofort laufen wir aus und bauen die Bahnen auf. Tornados, 49er und unsere Laser starten kurz darauf ihre erste Wettfahrt. Doch noch bevor diese zu Ende ist, schläft der Wind wieder ein. Die Wettfahrten müssen abgebrochen werden. So ein Ärger!

Passend dazu die Abend-Veranstaltung: Heute spielt ein Alleinunterhalter im Hawaii-Hemd Oldies, die er teilweise selber singt. Sicher ganz OK für den Senioren-Tanztee, aber ich ziehe es wie viele andere vor, das Zelt zu verlassen.

Laser

Freitag, 05.10.2007

Tornados im Regen Kein Wind.

Dafür Regen. Regen, in dem Petrus, Rasmus und Neptun uns sprichwörtlich stehen lassen. Das war's dann wohl mit den Meisterschaften. Wie peinlich.

Wettfahrtleiter Uli Finckh muss jetzt noch unwohler sein, als er zur Ansprache auf die Bühne geht. Doch unglaublich, er schafft es, passende Worte zu finden, die den Applaus der Seglerinnen und Segler bekommen. Morgen endlich soll es Wind geben, melden die Wetterdienste.

Helfer bei der Brotzeit Nachmittags beruft Uli Finckh eine weitere Skipperbesprechung ein. Folgender Ersatzplan wird bekannt gegeben: Ab sofort ist die Start- bzw. Auslaufbereitschaft aufgehoben. Dafür geht es morgen - da es ja Wind geben wird - früher aufs Wasser. Applaus. Die Finalwettfahrten fallen zwar aus, aber immerhin können die für die Wertung erforderlichen 4 Wettfahrten morgen voraussichtlich absolviert werden. Applaus. Die Siegerehrung findet dann für alle am Samstagabend beim CYC statt, anstelle der geplanten Veranstaltung für die Finalteilnehmer in Seebruck. Wieder Applaus. Und dann kündigen die 49er eine Party für den Abend an, mit Musik vom eigenen DJ, und man habe schon genug Grundstoffe für die Drinks organisiert. Jetzt donnernder Applaus. Irre, keine Wettfahrt bis jetzt, aber beste Stimmung.

Party Es wird eine rauschende Party. Zunächst halten die Wettfahrtleiter eine kurze Ansprache - Uli Finckh spricht zur "Festgemeinde", da er das Wort "Segler" nicht mehr zu benutzen wagt. Der Mann hat Humor und ein Händchen für die Situation. Dann erhält jede(r) einen Erinnerungspreis. Und dann heizt der DJ ein. Es wird getanzt, bis der Boden des Festzelts durchbricht. Danach geht eine Polonaise ums Zelt herum. Irgendwann breche ich auf und gehe zu meinem Schiff. Es regnet nur noch leicht.

Und dann, ich bin kaum in der Koje, höre ich ein Pfeifen in den Wanten und ringsherum Fallen, die gegen Masten klappern: der Wind ist da!

Samstag, 06.10.2007

Wind!

Wettfahrt der Laser

Start einer Laser-Gruppe Nordost, das sieht gut aus! Zwar immer noch ein paar Knoten weniger als Windguru verspricht, aber immerhin, alle Klassen können mindestens 4 Wettfahrten erfolgreich absolvieren. Und die Tornados und die 49er sogar nahe vor Seebruck. Zwar sind kaum Zuschauer gekommen, aber die Fernsehteams bekommen tolle Aufnahmen auf ihre Bänder und Speicher. Vergessen sind die letzten 4 Tage des Wartens. Und als ab 16:05 Uhr die Sportreportage von Bayern 3 auf Sendung geht, sind die Segler schon wieder an Land. Und für Jochen Schümann gibt es nichts mehr live zu kommentieren. Dafür bekommt er um so mehr Gelegenheit, sich selber ausgiebig vorzustellen.

Laser vor Ludwig Fessler

Die Wettfahrten enden im übrigen ganz in unserem Sinne. Unsere Lokalmatadoren vom Chiemsee, Leopold Fricke und Lorenz Huber, gewinnen im 49er vor den Vize-Europameistern Jan-Peter und Hannes Peckolt und den Vize-Weltmeistern Nico Delle Karth und Nikolaus Resch. Dass Thomas Auracher siegen würde, war nach dem Fingerhakeln am Mittwoch eh klar. Der Sieger im 2.4er, Heiko Kröger, hält abends bei der Siegerehrung eine bewegende Ansprache und ein Plädoyer für den Sport, wofür er viel Applaus bekommt. Das kann ich vom DSV-Präsidenten Rolf Bähr nicht sagen. Eurosport-Moderator Christoph Schumann führt zügig und knackig durch die Siegerehrung, auch wenn er sich sagen lassen muss, dass er doch bitte die Ergebnispunkte der Wettfahrten und nicht die Gesamtranglistenpunkte vorlesen soll. Und dann noch ein Kompliment an den Catering-Service, der geschätzte 600-800 Menüs ausgibt.

Letztlich hat es nur einen einzigen Segeltag für alle gegeben, aber dennoch sind die meisten gut gelaunt und zufrieden. Nur uns Helfern ist es irgendwie unangenehm, dass unser Chiemsee sich heuer so launisch zeigte. Aber zum Trost gab es viel Lob und die Auskunft, dass es anderswo auch keinen gescheiten Wind gab.

Tilo Klesper